Geschichte

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Jörg Wiegand und Marco Pfeiffer im Interview

Seit 1999 ist Radio Wel­le West Wet­terau ein Mal pro Jahr auf Sen­dung. Aber wie hat eigent­lich alles ange­fan­gen? Wir haben die bei­den WeWeWe-»Urgesteine« Jörg Wie­gand und Mar­co Pfeif­fer getrof­fen und gefragt, wie es eigent­lich zum Wet­ter­au­er Ver­an­stal­tungs­ra­dio kam.

Jörg, Du bist seit zehn Jah­ren Pfar­rer in Butz­bach und hast damals die Idee für ein Ver­an­stal­tungs­ra­dio mit­ge­bracht. Wie bist Du dar­auf gekommen?

Jörg Wie­gand: Als ich noch in der Aus­bil­dung war, dem soge­nann­ten Vika­ri­at, habe ich ein Spe­zi­al­prak­ti­kum in der dama­li­gen »Medi­en­fort­bil­dung« in Frank­furt bei Peter W. Schmidt gemacht. Der hat­te schon ein­mal ein Radio­pro­jekt im Rod­gau orga­ni­siert und war gera­de drauf und dran, ein wei­te­res Ver­an­stal­tungs­ra­dio im Oden­wald ins Leben zu rufen.

Und dann bist Du mit eingestiegen?

Jörg Wie­gand: Ja genau. Die »Über­wäl­der Kir­chen­wel­le« habe ich mit Peter und dem dor­ti­gen Orts­pfar­rer auf­ge­baut. Und vor allem habe ich damals den Ent­schluss gefasst: Wenn ich nach mei­ner Aus­bil­dung irgend­wo ein­mal Pfar­rer bin, wer­de ich dort auch ein sol­ches Radio­pro­jekt veranstalten.

War­um?

Jörg Wie­gand: Ich war sehr ange­tan von dem Pro­jekt Ver­an­stal­tungs­ra­dio und der Idee, dass die Evan­ge­li­sche Kir­che jun­ge Leu­te, aber auch Erwach­se­ne, dazu bringt, sich mit den Medi­en aus­ein­an­der­zu­set­zen. Radio, Fern­se­hen und Inter­net ströh­men auf uns ein, aber hier gibt es die Mög­lich­keit, die Sei­te zu wech­seln, nicht nur zu kon­su­mie­ren, son­dern sich selbst Gedan­ken zu machen, wie Radio eigent­lich funk­tio­niert. Jour­na­lis­ti­sche Arbeit ken­nen­zu­ler­nen und mit der Ver­ant­wor­tung umzu­ge­hen, dass man Inhal­te für ande­re Men­schen auf­be­rei­tet, ist sehr berei­chernd und wich­tig, wie ich finde.

Nach­dem Du 1997 hier nach Butz­bach gekom­men bist, ging es ja dann auch ganz schön schnell los. Schon zwei Jah­re spä­ter war Radio WeWeWe zum ers­ten Mal auf Sendung. 

Jörg Wie­gand: Sehr bald habe ich Udo Neu­se, der war Dekan des dama­li­gen Deka­nats Butz­bach, von mei­ner Idee erzählt. Der fand die Idee gut und hat Unter­stüt­zung zuge­sagt. Über die Öffent­lich­keits­ar­beit des Deka­nats habe ich dann schnell Mar­co ken­nen gelernt. Als ich ihm von mei­ner Idee erzählt habe, hat er aller­dings erst­mal etwas ungläu­big geguckt.

Erschien Dir die Idee denn so abwegig?

Mar­co Pfeif­fer: Naja, ich sage mal so: Ich fand die Idee ja spon­tan inter­es­sant. Aber ich habe mich schon gefragt, wie man das denn bewerk­stel­li­gen soll. Und außer­dem: Wer hört denn einen Sen­der, der für ein paar Tage aus einem pro­vi­so­risch zusam­men­ge­bau­ten Stu­dio sen­det mit Leu­ten aus der Nach­bar­schaft an den Mikrofonen?

Jörg Wie­gand: Aber nach­dem ich dann ein biss­chen wei­ter erzählt habe war von den Beden­ken bald nicht mehr viel übrig! (lacht)

Son­dern?

Mar­co Pfeif­fer: Wir haben uns dann zusam­men­ge­setzt und mit der Erfah­rung von Jörg und Peter das Pro­jekt grob geplant. Im Herbst 1998 gab es dann ein ers­tes Info­tref­fen. Die Reso­nanz war über­wäl­ti­gend, denn bereits zu die­sem ers­ten Tref­fen kamen etwa 30 Leu­te, von denen eini­ge heu­te noch dabei sind.

Bis zur ers­ten Sen­de­wo­che hat es dann aber noch ein paar Mona­te gedauert.

Jörg Wie­gand: Ja, natür­lich! Es muss­te ja eini­ges vor­be­rei­tet wer­den, die Sen­de­wo­che muss­te finan­ziert wer­den und alle muss­ten erst ein­mal ler­nen, wie Radio­ma­chen und Jour­na­lis­mus eigent­lich funktionieren.

Mar­co Pfeif­fer: Und natür­lich hat man – als es dann soweit war – auch gehört, dass da Radio­lai­en im Stu­dio sind und kei­ne Pro­fis, aber die Reak­ti­on der Hörer war rie­sig. Zum ers­ten Mal hat­te Butz­bach einen eige­nen Radio­sen­der! Unser Hörer­te­le­fon hat gar nicht mehr auf­ge­hört zu klingeln.

War das der Grund dafür, dass Ihr wei­ter­ge­macht habt?

Jörg Wie­gand: Ja, das war sicher ein Grund. Das gan­ze hat sich dann etwas ver­selb­stän­digt. Die ande­ren hat­ten alle Blut geleckt und waren nicht zu brem­sen wei­ter­zu­ma­chen. Und so kam es zur Idee, einen Ver­ein zu grün­den, der die Orga­ni­sa­ti­on auf mehr Schul­tern verteilt.

Mar­co Pfeif­fer: Das mit dem Ver­ein hat natür­lich ein »paar Tage« gedau­ert, vor allem haben wir aber ange­fan­gen, die nächs­te Sen­de­wo­che zu pla­nen und so geht das seit­her jedes Jahr immer weiter.

Ist die Wel­le West Wet­terau heu­te anders als vor neun Jahren?

Mar­co Pfeif­fer: Wir sind mit der Zeit schon pro­fes­sio­nel­ler gewor­den. Live-Über­tra­gun­gen zum Bei­spiel waren im ers­ten Jahr nicht denk­bar. Heu­te gibt es viel mehr tech­ni­sche Mög­lich­kei­ten und gleich­zei­tig haben wir gelernt, mit der Tech­nik umzu­ge­hen und sie für die Inhal­te noch bes­ser zu nut­zen. Dazu kommt auch, dass wir inzwi­schen ein grö­ße­res Sen­de­ge­biet haben. Wir sind wirk­lich nicht mehr nur Butz­bachs Radio­sen­der, son­dern haben Hörer und Mit­glie­der aus der gesam­ten west­li­chen Wet­terau. Wel­le West Wet­terau eben.

Jörg Wie­gand: Auf der ande­ren Sei­te ist vie­les aber auch noch so wie damals: Jedes Jahr kom­men neue Leu­te dazu, die zum ers­ten Mal Radio machen und natür­lich vie­le neue Ideen ein­brin­gen. Ab kurz vor Sen­de­start geht es auch heu­te immer rich­tig heiß her. Ich bin jedes Mal wie­der fas­zi­niert, wie aus einem nor­ma­len Raum inner­halb kür­zes­ter Zeit ein kom­plet­tes Radio­stu­dio entsteht.

Vie­len Dank für das Gespräch.

Das Gespräch führ­te Ste­fan Erbe.